Die Ausbildungsverordnung

Der neue Ausbildungsberuf "Kauffrau im E-Commerce/Kaufmann im E-Commerce" wird in einem sogenannten Neuordnungsverfahren eingeführt, oder genauer gesagt: verordnet. Verordnungen werden im Bundesgesetzblatt verkündet und werden dann erst gültig.

Die Verordnung wurde am 13. Dezember 2017 unterzeichnet und wenige Tage später veröffentlicht. Du findest hier den offiziellen Text. Wichtig ist die in der Verordnung enthaltene Tabelle. Darin sind alle Berufsbildpositionen aufgeführt, so dass Du genau weißt, was Deine Ausbilder dir an Wissen und Fertigkeiten vermitteln werden.

Voraussetzungen

Weil die Tätigkeit den ständigen Umgang mit Software und mathematisches Verständnis voraussetzt, ist die allgemeine Hochschulreife die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung. Wenn aber Zahlen, Technologie und Software Dein Ding sind, kannst Du schon mit einem Haupt- oder mittleren Schulabschluss E-Commerce-Kauffrau oder -Kaufmann werden.

Ausbildungsaufbau

Die Ausbildung erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren. Im "dualen Ausbildungssystem" wirst Du hauptsächlich in einem Unternehmen ausgebildet und hast zusätzlich Unterricht an der Berufsschule.

Der Ausbildungsbetrieb

Die Ausbildung in Deinem Ausbildungsbetrieb erfolgt nach dem sog. Ausbildungsrahmenplan. Darin ist nicht nur für ganz Deutschland einheitlich festgelegt, was Deine Ausbilder Dir beibringen müssen. Auch die Reihenfolge ist vorgegeben - das ist wichtig, damit die Lehrer in der Berufsschule Dir genau das gerade jetzt wichtige theoretische Wissen begleitend vermitteln können.

Insgesamt gibt es im Ausbildungsrahmenplan 15 Berufsbildpositionen. Diese unterscheiden sich in berufsprofilgebende und integrative Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie werden in der dreijährigen Ausbildung zeitlich voraussichtlich so gegliedert:

Während der gesamten Ausbildungszeit:

  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs
  • Berufsbildung sowie arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Umweltschutz


1.-18 Monat:

  • Projektorientiert im E-Commerce arbeiten (Arbeitsmethoden)
  • Waren- oder Dienstleistungssortiment mitgestalten und online bewirtschaften
  • Einkauf bzw. Beschaffung unterstützen
  • Kaufverträge im Online-Vertrieb kundenfreundlich und rechtskonform anbahnen
  • Kaufverträge aus dem Online-Vertrieb erfüllen
  • Kommunikation und Kooperation


19.-36. Monat:

  • Bedeutung und Struktur des E-Commerce in Wirtschaft und Handel
  • Online-Vertriebskanäle unterscheiden, auswählen und aufbauen
  • Kundenanfragen auf Online-Kanälen entgegennehmen und beantworten
  • Unterschiedliche Methoden des Online-Marketing gestalten und nutzen
  • E-Commerce-Projekte kaufmännisch bewerten und steuern


Wenn Du dir diese Reihenfolge ansiehst, erkennst Du schnell, dass Du am Anfang zunächst sehr praktisch Deinen Betrieb, seine Arbeitsweisen und Dein konkretes Handwerkszeug - also Software und Systeme - kennenlernst. Dazu zählt auch, dich besonders mit den Waren oder Dienstleistungen zu beschäftigen, die Dein Unternehmen verkauft.

Je sicherer Du mit den Instrumenten umgehen kannst, um so mehr Aufgaben übernimmst Du im Hinblick auf die Kommunikation mit den Kunden - im Service oder im Marketing. Und wenn Du den Überblick darüber hast, wie die verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten, widmest Du dich dem wichtigen Thema der Erfolgskontrolle. Dies ist die Grundlage, um schließlich Projekte selbständig verantwortlich im Betrieb umzusetzen.

Übrigens: Jeder Betrieb kann über diesen Ausbildungsplan hinaus weitere Themen und Kenntnisse vermitteln. Wenn Du in einem Einzelhandelsunternehmen lernst, wirst Du vielleicht auch typische "Multichannel"-Fertigkeiten erlernen. In anderen Unternehmen gibt es vielleicht ein paar zusätzliche Ausbildungseinheiten, in denen Du programmieren lernst, und natürlich wird in jedem Betrieb viel Fachwissen zum spezifischen Sortiment vermittelt.

Die Berufsschule

Der Unterricht in der Berufsschule folgt dem sogenannten "Rahmenlehrplan", der ebenfalls überall in Deutschland gleichermaßen gilt. Er sieht 12 Lernfelder vor:

  1. Das Unternehmen präsentieren und die eigene Rolle mitgestalten
  2. Sortimente im Online-Vertrieb gestalten und die Beschaffung unterstützen
  3. Verträge im Online-Vertrieb anbahnen und bearbeiten
  4. Werteströme erfassen, auswerten und beurteilen
  5. Rückabwicklungsprozesse und Leistungsstörungen bearbeiten
  6. Servicekommunikation kundenorientiert gestalten
  7. Online-Marketing-Maßnahmen umsetzen und bewerten
  8. Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern
  9. Online-Vertriebskanäle auswählen
  10. Den Online-Vertrieb kennzahlengestützt optimieren
  11. Gesamtwirtschaftliche Einflüsse bei unternehmerischen Entscheidungen berücksichtigen
  12. Berufsbezogene Projekte durchführen und bewerten


Wie Du siehst, passen die Lernfelder in der Berufsschule zeitlich ziemlich gut mit den Ausbildungsinhalten im Betrieb zusammen. In der Berufsschule hast Du die große Chance, mit Azubis aus anderen Betrieben Deine Kenntnisse und Erfahrungen zu teilen und dadurch zu erleben, wie E-Commerce in größeren oder kleineren Unternehmen oder auch einer ganz anderen Branche konkret funktioniert.

Weil die Berufsschulen diesen Rahmenlehrplan von Land zu Land unterschiedlich interpretieren, kommen vielleicht noch Themen hinzu, die Du hier nicht findest. So kann z.B. auch hier eine Schule etwas mehr IT-Wissen oder Fachenglisch vermitteln. 

Prüfung

Du legst die Prüfung in zwei Teilen ab. Der erste Teil der Prüfung findet nach 18 Monaten statt und zählt 25 Prozent für Deine Endnote. Man bezeichnet die Prüfung deshalb auch als "gestreckte Abschlussprüfung".

1. Prüfungsteil

Im ersten Teil der Prüfung wird das Wissen der ersten 15 Ausbildungsmonate geprüft. In einer 90 Minuten dauernden schriftlichen Prüfung wird Dein Wissen über die Gestaltung eines Waren- oder Dienstleistungssortiments, die Zusammenarbeit bei der Beschaffung von passenden Produkten und den Kern des Verkaufs, die Vertragsanbahnung und den Vertragsabschluss, abgefragt.

2. Prüfungsteil

Der zweite Teil der Abschlussprüfung erstreckt sich auf alles, was Du in drei Ausbildungsjahren im Betrieb und in der Berufsschule gelernt hat. Dabei gibt es vier einzelne Prüfungen:

  1. eine zweistündige Klausur, in der Dein Verständnis für Geschäftsprozesse im E-Commerce geprüft wird.
  2. eine einstündige Klausur über Kundenkommunikation im E-Commerce
  3. ein Fachgespräch von 20 Minuten Dauer, das sich um ein Projekt dreht, das Du in Deinem Ausbildungsbetrieb durchführst. Vor dem Fachgespräch reichst Du einen Report über Dein Projekt ein. Bewertet wird aber nicht das Projekt, sondern wie Du im Fachgespräch Fragen dazu beantworten kannst.
  4. eine einstündige Klausur zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialkunde.

Insgesamt wirken also fünf Teile auf Deine Prüfungsnote ein. Der erste Prüfungsteil - nach 18 Monaten - zählt 25 Prozent. Die zweistündige Klausur (Geschäftsprozesse) zählt weitere 30 Prozent. Die schriftliche Prüfung zu Fragen der Kundenkommunikation zählt 15 Prozent, das Fachgespräch 20 Prozent und die Klausur zur Wirtschafts- und Sozialkunde die verbleibenden 10 Prozent.

Worauf wartest Du noch?

Wenn Du schon ein Unternehmen kennst, das Auszubildende sucht und im E-Commerce tätig ist, dann lass Dir dort noch einmal genau erklären, was genau Du in diesem Betrieb und in der entsprechenden Branche lernst.

Falls Du dich für den neuen Beruf "Kauffrau/Kaufmann im E-Commerce" interessierst, aber noch kein Unternehmen für Dich gefunden hast, dann geh zur Industrie- und Handelskammer (IHK) in Deiner Stadt. Dort kann man Dir häufig sagen, welche Unternehmen nach Auszubildenden in diesem Bereich suchen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Vermittlungsplattformen. Das Portal jobboerse.de hat beispielsweise eine Unterseite speziell für E-Commerce-Kaufleute geschaffen. Unter den dort gelisteten Angeboten findest Du auch zahlreiche Ausbildungsplätze.

Und wenn Dir das nicht weiterhilft, dann schreib uns: Im E-Commerce-Verband bevh sind viele große, mittlere und kleine Unternehmen aus ganz Deutschland vereinigt, die zu den besten E-Commerce-Unternehmen des Landes zählen. Wir vermitteln Dir gerne Bewerbungsgespräche in Deiner Region.

Direkt hier unten kannst Du uns Deinen Namen und Anschrift nennen. Wir freuen uns, von Dir zu hören!

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